Von der Rappenseehütte zum Heilbronner Höhenweg (T3 + UIAA I)
Wir starten unsere Wanderung zum Heilbronner Höhenweg an der Rappenseehütte. Diese erreichst du entweder aus Richtung Einödsbach, über den Eselsweg im Rappenalptal oder aus Richtung Schrofenpass / Mindelheimer Hütte.
Die Luft an diesem Morgen ist noch kühl, es weht ein leichter Wind und die Wolken sind noch nicht so verschwunden, wie es eigentlich vorhergesagt war. Aber all das kann unserer Vorfreude auf den schönsten und auch anspruchsvollsten Höhenweg im Allgäu nicht anhaben. Und so machen wir uns auf den Weg, folgen dem Wegweiser unterhalb der Hütte und etwas oberhalb des Rappensees entlang Richtung Hohes Licht / Waltenberger Haus. Die ersten Höhenmeter führen uns noch über erdiges, teils felsdurchsetztes Gelände bergauf, bevor schließlich der Fels komplett die Oberhand gewinnt. Tipp: Während der gesamten Tour lohnt es sich auch mal einen Blick zurückzuwerfen, denn dieser hat es durchaus des Öfteren in sich. An dieser Stelle zum Beispiel erhältst du einen letzten Blick auf die Rappenseehütte mit ihren beiden Seen, sowie die Bergkette der Schafalpenköpfe im Hintergrund.



Wir richten den Blick wieder in Aufstiegsrichtung und stellen schnell fest, dass der Weg nun zunehmend steiniger, gerölliger und felsiger wird. Die beiden Steinböcke am Wegrand lassen sich durch unsere Anwesenheit nicht aus der Ruhe bringen und so setzen wir unseren Weg teilweise über Felsblöcke fort. Der Weg ist wenig beschildert, dafür stets gut mit roten Punkten oder Strichen markiert. Nun liegt eine kleine Moräne vor uns, die es zu besteigen gilt. Hier steilt der Weg zunehmend auf und wird gerölliger, was das Vorankommen beschwerlicher macht. Ab hier ist es außerdem ratsam einen Helm gegen potenziellen Steinschlag aufzusetzen. Schon bald erreichen wir den Fuß der Felswand und kraxeln teils am Stahlseil die weiteren Höhenmeter bis zum Einstieg in den Heilbronner Höhenweg empor.




Wandern auf dem Heilbronner Höhenweg (T4 + UIAA I)
Solltest du ausreichend Reserven für den Tag eingepackt haben bietet es sich optional an den Gipfel des Hohen Lichts zu besteigen. Dieser ist in zusätzlichen, etwa 55 Minuten (Hin- und Rückweg) bis zur Abzweigung zu bewältigen. Der Weg dorthin ist mit T3+ nicht anspruchsvoller als der bisherige Aufstieg. Hierfür zweigst du dem Wegweiser folgend nach rechts ab.
Wir entscheiden uns heute allerdings für die Variante nach links, den Heilbronner Höhenweg. Endlich sind wir am Einstieg angekommen und können uns nun voll und ganz dem schönsten Höhenweg im Allgäu widmen. Ab hier geht es nun bis zum Steinschartenkopf (2.615 m) oft an der Felswand entlang, des öfteren bergauf, teils auch mal bergab. An mehreren Stellen ist der Weg mit Seil versichert. Ein Klettersteigset kannst du hier optional mitnehmen wenn du dich sicherer fühlst. Bedenke aber, dass es sich hier um keinen durchgehend gesicherten Klettersteig handelt. Der Blick ins Tal ist einfach gigantisch, denn mittlerweile hat auch die Sonne die Oberhand gewonnen und taucht die Umgebung zusammen mit den Wolken in ein wunderbares Licht- und Schattenspiel. Auf unserer Wanderung kommen wir schon bald ans Heilbronner Thörle, einem schmalen Felsspalt in der Wand. An einer Stelle weist ein Wegweiser Richtung Holzgau – hier folgen wir nicht dem Wegweiser, sondern weiter am Fels entlang den roten Punkten!




Und schließlich gelangen wir an die berühmte Leiter und die Leiterbrücke, die uns zuerst auf den Steinschartenkopf hinaufführt und anschließend durch die Leiterbrücke eine etwas größere Felsplatte auf dem Heilbronner Höhenweg überwindet.





Vom Steinschartenkopf auf den Bockkarkopf (T4 + UIAA I)
Nach einer kurzen Trink- und Esspause wandern wir nun ein Stück am Bergrücken entlang, bevor uns der Weg hinunterführt in die Socktalscharte. Der Weg dorthin ist teils geröllig, felsig und teils mit Stahlseil versichert. An der Socktalscharte angekommen hast du die Möglichkeit entweder direkt zum Waltenberger Haus abzusteigen oder noch über den Bockkarkopf zu wandern und dann über die Bockkarscharte abzusteigen. Ich empfehle dir ganz klar die zweite Option, denn der Weg ab der Socktalscharte abwärts ist richtig geröllig und man kommt hier schnell ins Rutschen, wenn auch meist nicht ausgesetzt!
Um auf den Bockkarkopf zu gelangen geht es zuerst über einen etwas unübersichtlichen Felsabsatz nach oben. Schon bald ist dieser bezwungen und ein Seil führt uns weiter am Fels hinauf. In einem bergauf und bergab geht es nun weiter (teils seilversichert, teils leicht ausgesetzt!), bevor wir schließlich den finalen Aufstieg zum Gipfelkreuz angehen. Am gipfel angekommen erhalten wir erneut einen grandiosen Ausblick auf die Trettach und Mädelegabel vor uns, auf die Allgäuer Alpen linkerhand und auf die Lechtaler Alpen rechterhand – wow!




Der Abstieg (T4)
Der Abstieg vom Bockkarkopf erfolgt zuerst über schottriges und gerölliges Gelände. In einigen Kehren geht es hinunter in die Bockkarscharte. Hier trennen sich nun die Wege. Links geht’s ein kurzes Stück hinauf und anschließend bergab Richtung Waltenberger Haus, rechts geht’s weiter Richtung Mädelegabel und Kemptner Hütte. Wir halten uns heute nach links, erklimmen die paar Höhenmeter und stehen vor einigen Felsabstufungen, die es zum Teil am Seil hinunterzugehen gilt. Besondere Vorsicht solltest du hier bei Nässe walten lassen, denn dann kann der Fels richtig rutschig werden. Sobald die Felsen hinter dir liegen geht es weiter über Geröll. Und hier macht’s teilweise richtig Spaß, denn durch die Steigung kann man das Geröllfeld auf dem Weg an manchen Stellen wie mit Skiern unter den Füßen „abfahren“. Vor uns ist das Waltenberger Haus und somit das Ende der heutigen Tour gut sichtbar. Schließlich erreichen wir unser Ziel an dem wir es uns kulinarisch erstmal richtig gut gehen lassen. Wohl verdient.
P.s. solltest du weiter ins Tal absteigen, liegen noch etwa 2-2,5 Stunden Fußmarsch nach Einödsbach oder Birgsau vor dir (T3).




Die Berghupfer-Einschätzung
Lohnt sich die Wanderung auf dem Heilbronner Höhenweg? Wir sagen ganz klar: ja! Die Aussicht, die Felskraxelei und das gewisse Extra – mit der nötigen Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Bergerfahrung kommst du hier voll auf deine Kosten. Ein Höhenweg, der das Wanderherz definitiv höher schlagen lässt.
