Hohes Licht – Schon lange steht der zweithöchste Gipfel der Allgäuer Alpen auf meiner Wunschliste. Und heute soll es endlich soweit sein. Ich bin schon ganz gespannt auf einen wunderschönen Tag in den Allgäuer Hochalpen.
Von Einödsbach zur Rappenseehütte (T3)
Und so starten wir unsere Wanderung offiziell in Einödsbach, der südlichsten Siedlung Deutschlands. Der inoffizielle Teil startet aber bereits früher, denn nach Einödsbach kommst du nicht direkt mit dem Auto. Sondern entweder mit dem Bus und zu Fuß ab der Haltestelle Birgsau oder mit dem Fahrrad. Wir haben uns heute fürs Bike entschieden.
Los geht’s also hinterm Berggasthof zuerst einmal ein paar Stufen hinunter in den Wald. Oberhalb des Rappenalpenbachs wandern wir zuerst noch gemächlich am Hang entlang, bevor der Weg schließlich über freie Flächen führt und dann ziemlich schnell steiler wird. Erneut geht’s in den Wald hinein und wir erreichen nach einer steilen, den Kreislauf in Schwung bringenden Passage schon bald die Petersalpe. Mit einer tollen Aussicht ins Rappenalptal und die gegenüberliegenden Gund- sowie Schafalpenköpfe kannst du hier eine kräftige Stärkung für die noch verbleibenden etwa 1.400 Höhenmeter zu dir nehmen.
Unterwegs zur Enzianhütte
Anschließend folgen wir kurz dem breiten Fahrweg bevor uns der Wegweiser schon bald über Weideflächen empor Richtung Enzianhütte / Rappenseehütte weist. Immer moderat führt uns der Weg nun wunderschön gelegen entlang des Rappenalptals empor. Immer wieder fällt der Blick auch mal zurück Richtung Oberstdorf, sowie die gegenüberliegende Felswand, die an diesem Morgen bereits zum Teil in tolles Sonnenlicht getaucht wird. Das macht doch direkt Freude auf mehr.
In mehreren großen Kehren, teils über Wurzeln, oft über Schotter und felsdurchsetzte Abschnitte geht es weiter bergauf. Teils steiler, teils morderat und schließlich spizelt hinter nach einer Kurve hinter einer Bergkuppe die Enzianhütte hervor. Die Enzianhütte hat eine kleine hauseigene Brauerei angeschlossen und zählt zu den höchstgelegenen Brauereien in Europa. Auch hier hast du die Möglichkeit auf eine tolle Einkehr mit wunderbarem Ausblick.
Der Aufstieg zur Rappenseehütte
Hohes Licht – so heißt aber unser eigentliches Ziel heute und so setzen wir uns nach einer kleinen Stärk- und Trinkpause wieder bergwärts in Bewegung. Ein Blick in dem Himmel verrät mir allerdings, dass wir es heute erstmal mit einer hartnäckigen Bewölkung zu tun haben werden statt mit dem vorhergesagtem Sonnenschein.. Naja, können wir jetzt nicht ändern, vielleicht wird’s ja noch. Der Weg zur Rappenseehütte ist klar erkennbar und schon kurz nach der Enzianhütte wartet die erste Schlüsselstelle des Tages auf uns. Heute noch relativ gut passierbar liegt ein Schneefeld in der Rinne des Rappenbachs. Dieses hält sich oft hartnäckig bis in die Sommermonate und kann mitunter gefährlich sein.
Also schnell und leichten Schrittes queren und schon geht’s weiter. Im Sommer, wenn das Schneefeld gänzlich geschmolzen ist oder keine Querung auf diesem mehr möglich ist wird eine Leiter an den Fels geschraubt, damit der Weiterweg möglich ist. Und so wandern wir erneut toll gelegen an den Hängen des Rappenalptals hinauf zur Rappenseehütte, der größten Hütte des Deutschen Alpenvereins.
Von der Rappenseehütte aufs Hohe Licht (T3 + UIAA I)
Auf 2.091 m Höhe angekommen ergibt meine Rechnung noch 560 Höhenmeter, die nun vor uns liegen. Und etwas unterhalb des Weges liegt gleich der nächste Rekord: der Rappensee ist der höchstgelegene See Deutschlands. Aller guten Dinge sind also wieder mal drei (Einödsbach, Rappenseehütte, Rappensee) und so wandern wir weiter nun dem Wegweiser mit unserem finalen Ziel „Hohes Licht“ folgend bergauf. Zuerst noch über erdige und teils felsdurchsetzte Wege setzt sich der Fels immer mehr durch und gewinnt die Oberhand. Genauso wie die Sonne übrigens, die sich nun immer öfters gegen die Wolken durchsetzt und so eine wunderschöne Stimmung zaubert. Wow, da hüpft das Fotografen- und Bergherz.
Die ersten kleinen Kraxelstellen zeigen uns auf auf das was noch vor uns liegt und schon bald erhalten wir auch den ersten Blick aufs Hohe Licht und dessen Gipfelkreuz, das sich markant vor uns aufbaut. Der Weg steilt nun zunehmend auf, wird gerölliger und schon bald erreichen wir den Wandfuß. Ab hier kann ich dir empfehlen einen Steinschlaghelm anzuziehen. Etwas oberhalb uns hatte eine Gruppe bereits Steine losgetreten, die zwar neben uns niedergingen aber trotzdem ein etwas mulmiges Gefühl hinterließen. Am Stahlseil geht es nun mehrere Meter empor, teils über größere Felsabsätze. Die ein oder andere Stelle ist auch leicht ausgesetzt weshalb du hier definitiv trittsicher sein solltest.
Heilbronner Weg < > Hohes Licht
Nach etwa 8,6 km gelangen wir an eine Abzweigung. Nach links führt der Weg weiter Richtung Heilbronner Weg (richtig schön, weitere Infos hier), nach rechts geht’s auf unserem heutigen Weg weitere Richtung Hohes Licht. Zuerst noch am Hang entlang geht es geröllig weiter, anschließend um den Berg herum immer steiler. Auch hier gibt es zwei etwas ausgesetztere Wegstellen (teils mit Seil versichert), die Aufmerksamkeit und Trittsicherheit fordern. Nach mehreren gerölligen und felsdurchsetzten Kehren wird das Gipfelkreuz immer sichtbarer und schließlich stehen wir oben auf dem zweithöchsten Berg der Allgäuer Alpen: dem Hohen Licht. Das Bergpanorama, das wir bei der anschließenden Gipfelbrotzeit genießen können ist einfach wunderschön.
Der Abstieg
Für den Abstieg solltest du dir eine ordentliche Portion Aufmerksamkeit und Trittsicherheit aufsparen, denn die benötigst du hier definitiv bis zur Ankunft im Tal. Den Weg kennst du bereits vom Aufstieg und so steigen wir hinunter und genießen nochmal den Blick zurück auf die Allgäuer Hochalpen, sowie ins Oberstdorfer Rappenalptal.
Die Berghupfer-Einschätzung
Lohnt sich die Wanderung aufs Hohes Licht? Ja auf jeden Fall. Wenn du die nötige Bergerfahrung, Ausdauer und eine ordentliche Portion Trittsicherheit einpackst dann wird diese Wanderung zum vollen Genuss, denn besonders ab der Rappenseehütte aufwärts wird es landschaftlich sehr eindrucksvoll zu wandern. Und das Bergpanorama am Gipfelkreuz ist einfach ein Traum.
