Unterwegs zur Krinnenspitze & Litnisschrofen: Unser Bericht vom Gamsbocksteig
Wenn mich Tourengeher nach einer echten, knackigen Runde im Tannheimer Tal fragen, gelange ich schnell zur Kombination aus Krinnenspitze und Litnisschrofen. Vor Kurzem haben wir uns den Gamsbocksteig vorgenommen – eine Tour, die uns einiges abverlangt hat, aber mit grandiosen Weitblicken belohnte.
Über den Gamsbocksteig zur Krinnenspitze
Wir starten unsere Wanderung an diesem frühen Herbstmorgen am Krinnenlift-Parkplatz P3 in Nesselwängle. Die Luft ist noch frisch und vor uns liegt der Gamsbocksteig. Schon nach den ersten Schritten im Wald merken wir: Der Name ist Programm. Der Pfad zieht knackig steil bergan, über schottrigen und wurzeligen Waldboden gewinnen wir rasch an Höhenmetern.
Zwischendurch halten wir immer wieder inne: Der Rückblick auf die gegenüberliegende Talseite mit dem gewaltigen Gimpel-Massiv, der Roten Flüh und der Köllenspitze ist im Morgenlicht einfach umwerfend.
Nach einem flacheren Plateau – dort, wo früher ein Krinnen-Lift stand, geht das bewaldete Gebiet in Latschen über. Der Steig wird zunehmend felsdurchsetzter felsiger. Schließlich erreichen wir den Bergrücken und den Sattel, wo uns ein gewaltiger Panoramablick ins Lechtal und hinüber zur Zugspitze empfängt. In einigen Kehren geht es hinauf zum Grat und schließlich an diesem entlang weiter. Die letzten Meter zum Gipfel benötigen wir dann auch unsere Hände. Über Felsen und teils leicht ausgesetzt geht es nochmal steil bergan. Am Gipfelkreuz angekommen legen wir eine wohlverdiente Brotzeit ein und genießen den Blick auf den Haldensee und die Allgäuer Alpen.
Zwischenstopp: Zur Gräner Ödenalpe
Der Abstieg führt uns über einen erdigen Pfad gen Süden und Westen hinab zur Gräner Ödenalpe. Obwohl der Weg nicht direkt ausgesetzt ist, merken wir schnell: Bei Nässe oder in diesen frühen herbstlichen Morgenstunden wird der Boden hier ziemlich schmierig. Konzentration ist gefragt! Unterwegs baut sich vor uns schon die steile Nordwand des Litnisschrofens auf – unser nächstes Ziel. An der Alpe angekommen nutzen wir die Gelegenheit für eine kurze Einkehr.
Die Schlüsselstelle: Kletterei am Litnisschrofen (T4+ + UIAA I)
Direkt gegenüber der Gräner Ödenalpe geht es weiter durch Latschen bergauf. P.s. Wer den Litnisschrofen angeht, sollte wirklich alpine Erfahrung mitbringen, den vor allem der Gipfelaufbau verlang vollen Fokus. Der Weg zieht in steilen Kehren über losen Schotter und Fels hinauf und auf den letzten 100 Höhenmetern helfen einige Stahlseile über die steilsten Felsstufen hinweg.
Die Schlüsselstelle: An einer kniffligen Felsstufe müssen wir kräftig zupacken. Im Aufstieg hilft das Stahlseil in der einen Hand und der Fels in der anderen, docj im Kopf planen wir schon den Rückweg. Denn: Was man raufklettert, muss man hier auch wieder runter. Einen Alternativweg gibt es nicht. Über weitere teils leicht ausgesetzte Wegstellen und dem Einsatz der Hände geht es die letzten Meter hinauf zum Gipfel.
Schließlich stehen wir am Gipfelkreuz des Litnisschrofens. Das 360-Grad-Panorama macht hier jeden Schweißtropfen wett!
Der Abstieg: Drei Einkehrmöglichkeiten auf dem Weg zurück ins Tal
Der Abstieg erfordert noch einmal maximale Aufmerksamkeit, besonders an den drahtseilversicherten Felsstellen. Sicher wieder an der Grenner Ödenalpe angekommen, schalten wir einen Gang zurück.
Über die breite, geschotterte Fahrstraße wandern wir gemütlich gen Tal, vorbei an der Nesselwängler Edenalpe und der Krinnenalpe. Beide Hütten laden zur Einkehr ein, um die Tour bei einer Brotzeit und Bergblick ausklingen zu lassen. Schließlich biegen wir wieder auf unseren Aufstiegspfad ein und erreichen entspannt unseren Ausgangspunkt am Parkplatz.
Die Berghupfer-Einschätzung und Tipps
Eine tolle, sehr vielseitige Tour für geübte Bergwanderer mit der nötigen Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Starte bereits in den frühen Vormittagsstunden, denn an sonnigen Tagen wird es besonders ab der Gräner Ödenalpe bis zum Litnisschrofen recht warm im felsigen und latschendurchsetzten Kar.
